Montag-Morgen-Gespräch im Büro,…

…kurz nach 8 Uhr:

Kollege: „Junge, Du siehst aber fertig aus… hast Du die ganze Nacht gefeiert?“

Hmm… okay, denke ich so… er hat nicht ganz Unrecht. Auch mein Spiegelbild nach der Morgendusche hat tiefe Augenringe gezeigt. Und trotz Espresso-Dopio beim Frühstück ist mir die Müdigkeit anscheinend anzusehen. Und welcher Mann möchte sich schon mit Make-Up auffrischen?? Ich definitiv nicht!

„Nein, nicht wirklich gefeiert“, entgegne ich meinem Kollegen. „Vielmehr hatten wir heute Nacht einen Feuerwehreinsatz… nix Wildes, aber es reichte aus, um die Nacht schon um 3:17 Uhr als beendet zu erklären.“

Stille im Büro.

Ja, ich gehöre definitiv zu den „Spät-ins-Bett-Gehern“. Je nach TV-Programm gegen zwölf Uhr, machmal auch erst um halb eins… so auch am Sonntag Abend. Um 3:17 Uhr wurde der Tiefschlaf dann durch einen laut piepsenden Funkmeldeempfänger beendet. Nicht nur für mich, auch für meine Partnerin… und für viele meiner Kameradinnen und Kameraden. Und deren Partner und Partnerinnen…

Aus dem Bett springen, Socken an, Hose anziehen, in die Schuhe schlupft man irgendwie auf dem Weg Richtung Haustür, das T-Shirt wird kurz vor dem Parkplatz des eigenen Autos übergezogen. Falschrum oder auf links… egal!
Noch auf dem Weg durch die eigene Wohnung liest die Partnerin die Textmeldung auf dem Display des Piepsers vor: „Feuer 4 – Rauchentwicklung aus Gebäude, xy-Straße, Netphen“. Das kann alles bedeuten, es schießen einem tausend Dinge durch den Kopf. Wohnt in diesem Gebäude nicht auch eine Bekannte??

Eben noch im Tiefschlaf, sitzt man 30 Sekunden später im Auto auf dem Weg zum Feuerwehrhaus. Immer noch tausende Gedanken, was uns am Einsatzort erwarten wird.

Wenige Sekunden später die Ankunft am Gerätehaus, so wie viele andere Kameradinnen und Kameraden auch… einige, die näher dran wohnen, sind schon da, haben die Tore geöffnet, die Fahrzeughalle hell erleuchtet und die Fahrzeuge abfahrbereit gemacht. Luft- und Stromanschlüsse abgeklemmt, Licht an, Funk an.

Kurzer Spurt vom Parkplatz zum Spind, der Puls rast, rein in die Stiefel, die Brandschutzhose hochgezogen, Helm, Jacke, Handschuhe gegriffen und ab auf das Fahrzeug. Blaulicht, Martinshorn (ja, auch Nachts, wenn es erforderlich ist) und los geht die „wilde“ Fahrt.

Während der Gruppenführer vorne rechts versucht die Lage schon über Funk zu sondieren und eine erste Rückmeldung vom Einsatzleiter – der direkt aus dem heimischen Bett zum Einsatzort fährt – zu erhalten, bereitet sich die Mannschaft hinten auf den bevorstehenden Einsatz vor. Bei Feuer und Rauch sind Atemschutzgeräte obligatorisch. Diese können für Angriffs- und Sicherheitstrupp bereits während der Fahrt zum Einsatzort angelegt werden, wodurch an der Einsatzstelle wertvolle Zeit gewonnen wird. Funkgeräte, Taschenlampen, die Schutzkleidung muss sitzen.. alles im Halbdunkel und Halbschlaf.

Kurz vor unserem Eintreffen an der Einsatzstelle erhalten wir die Rückmeldung vom B-Dienst: „Angebranntes Essen auf Herd, kein offenes Feuer“. Erste Erleichterung.

Nachts kochen und dabei einschlafen ist keine nachahmenswerte Kombination. Die Nudeln waren definitiv al-dente, allerdings ist es mit den Röstaromen etwas übertrieben worden. Also, der Angriffstrupp zur Bergung der angebrannten Speise in die „Feuerwehr-Parterre“ (alles ab 2. Obergeschoss) vor, der Rest von der mittlerweile hellwachen Truppe bereitet den Hochleistungslüfter vor. Einen überdimensionalen Ventilator, der mal ordentlich für Frischluft in der Küche und dem Rest der Wohnung sorgt und den stechenden Geruch zumindest teilweise vertreibt.

Der ebenfalls eingetroffene Rettungsdienst kümmert sich derweil um die Köchin.

Bereits nach einer dreiviertel Stunde ist bei diesem Einsatz unsere Arbeit beendet, die Heimreise zum Gerätehaus (diesmal ohne Blaulicht und Martinshorn) kann angetreten werden. Dort angekommen muss das Fahrzeug und die Ausrüstung wieder einsatzbereit gemacht werden, denn, alte Feuerwehr-Weisheit: Nach dem Einsatz ist vor dem Einsatz.

Es ist mittlerweile 4.35 Uhr, als ich die heimische Wohnung wieder betrete. Erstmal duschen… man riecht unweigerlich nach angebrannten Teigwaren. In einer Stunde klingelt der Wecker. Jetzt nochmal zur Ruhe kommen?? Fehlanzeige… stattdessen wälzt man sich im Bett rum. Hellwach! Gefühlt schläft man einige Minuten vor dem Wecker doch nochmal ein.

Ja, bei Einsätzen, die z.B. Nachts einen gewissen Zeitansatz übersteigen, kann man als Einsatzkraft eine Freistellung von der Arbeit beantragen. In diesem Falle kann der Arbeitgeber den Lohn- und Verdienstausfall bei der Stadt geltend machen, so dass uns zumindest kein finanzieller Nachteil entsteht. Die Arbeit im Büro bleibt dennoch liegen. Und der Stundenansatz war halt bei diesem Einsatz noch nicht erreicht.

„Freiwillige Feuerwehr…. warum macht man sowas?“ fragt mein Kollege, der seine Freizeit im Schützenverein verbringt.

„Es ist ein befriedigendes Gefühl Menschen in Notsituationen zu helfen, es ist sinnvoll, es ist ehrenwert, es ist die Kameradschaft die uns zusammenhält und auch schwierige Situationen meistern lässt… manchmal macht es sogar Spaß. Da verzichtet man auch gerne mal auf einige Stunden Schlaf und ein erholtes Spiegelbild!“

(ML)