Aufgabenfelder

Es ist 03:37 Uhr nasskalt und eine ungemütliche Herbstnacht, in der man am besten im Bett liegt und dem erholsamen Schlaf nachgeht, der für die schnelllebige Gesellschaft unserer Zeit so wichtig ist. Natürlich sind in dieser Nacht auch Menschen unterwegs, die ihrer Arbeit nachgehen, um die vielen hohen Anforderungen, die eben diese rasanten gesellschaftlichen Entwicklungen mit sich bringen, zu erfüllen. Menschen, die unseren Informationsdurst stillen, unsere Brötchen vorbereiten, Menschen, die unsere Lebensmittel verteilen und Menschen, die rund um die Uhr unsere Konsumgüter herstellen.

Es knarzt, quietsch und kracht laut, als der Kastenwagen gegen den Baum prallt, der schon seit Jahren den Straßenrand ziert. Der Kastenwagen mit dem jungen Mitarbeiter, der die Zeitungen verteilt, die beim Kaffee am Morgen gelesen werden wollen.
Nach dem Krach herrscht wieder gespenstige Stille – auch die Lichter, die dem Kastenwagen seinen Weg zeigen sollen, sind erloschen. Erloschen, wie das Bewusstsein des schwer verletzten Fahrers, der nach vorne übergebeugt schwer atmend in seinem Fahrzeug sitzt. Gott sei Dank sind noch andere Menschen unterwegs, die an der Unfallstelle vorbeikommen und über die Notrufnummer 112 den Notruf absetzen. Professionell fragt der Disponent der Feuerwehr, der in dieser Nacht auch seiner Arbeit nachgeht, die erforderlichen Daten ab und alarmiert die notwendigen Einheiten.

03:40 Uhr: die Stille im Schlafzimmer des Bäckers, des Schreiners, des Ingenieurs, des Forstmitarbeiters, des städtisch Beschäftigten, des Kaufmanns oder des Studenten ist jäh zu Ende. Der schrillende Funkmeldeempfänger, der umgangssprachlich auch als Piepser bezeichnet wird, übermittelt unter hektischen optischen und akustischen Signalen sowie Vibrationen, die Daten, die der Disponent gerade noch abgefragt und eingegeben hat. Ein kurzer Blick auf das Display des Piepsers verrät den Kameraden, die plötzlich auch zu den nachtaktiven Menschen werden, die Informationen, die für den Einsatz erforderlich sind. Es folgt ein Ablauf, der allzu bekannt und vorbereitet ist: anziehen, möglichst leise mit den notwendigen Schlüsseln das Haus oder die Wohnung verlassen und zum Feuerwehrhaus fahren, laufen oder radeln. Dort angekommen sieht man den Kollegen an, dass auch sie gerade aus dem Bett kommen und sich schon erste Gedanken zum bevorstehenden Ablauf machen.

03:44 Uhr: das helle Aufblitzen der Blaulichter verrät das Ausrücken des ersten Fahrzeugs – voll besetzt, die Fahrt wird genutzt, um mit der Leitstelle zu kommunizieren und weitere Informationen abzuklären. Die Fahrt erfolgt bewusst ohne das laute Presslufthorn, da wenig Verkehr ist und alle anderen ja schlafen. Das Team auf dem Fahrzeug rüstet sich weiter aus und bespricht erste Maßnahmen, der Gruppenführer skizziert wichtige Aufgaben, die auch zum Eigenschutz gleich zu Beginn erledigt werden müssen. Es dauert auch noch die halbe Fahrt, bis alle richtig wach sind und sich auf die bevorstehenden Aufgaben eingestellt haben.

03:46 Uhr: nach erster Erkundung bei gleichzeitigem Absperren der Unfallstelle, werden die erforderlichen Geräte bereitgestellt, der gleichzeitig alarmierte Rettungsdienst kümmert sich schon um den Patienten und signalisiert mit kurzen Worten und entsprechender Gestik den Ernst der Lage. Es werden auch Schläuche zu Recht gelegt, um im Falle eines Brandes adäquat reagieren zu können. Das Auto wird mit wenigen Handgriffen stabilisiert und mit Unterstützung des mittlerweile eingetroffenen zweiten Löschfahrzeugs wird das verunfallte Auto schnellstmöglich so mit schwerem hydraulischem Rettungsgerät auseinandergedrückt, dass die schnelle Befreiung des Verunfallten möglich ist. Das Blech ächzt erneut, um den Kräften des Spreizers nach und mehr und mehr den Weg zum Patienten frei zu geben. Die Kameraden, die eben noch, wie Du und ich, im Bett lagen bringen Höchstleitungen, um den Patient zu befreien und damit seine weitere Behandlung durch den Rettungsdienst, der unter widrigsten Bedingungen versucht, die ersten wichtigsten Behandlungen schon im Unfallfahrzeug durchzuführen, zu ermöglich. Jede Sekunde zählt und das warme Bett, aber auch die nasskalten Temperaturen sind vergessen.

04:05 Uhr: endlich, das vollständig deformierte Fahrzeug gibt den immer noch bewusstlosen Patienten frei und er wird möglichst schonend mit einer Spezialtrage aus dem Auto gerettet und in den Rettungswagen verbracht. Der anschließende Transport in die Klinik erfolgt unter weiterer Behandlung durch den Notarzt zügig.    

04:15 Uhr: während im Krankenhaus nach Vorinformation durch den Leitstellendisponenten die Übergabe an ein schon wartendes Team erfolgt und sich damit die klinische Behandlung des Unfallopfers nahtlos an die Arbeit des Rettungsdienstes anschließt, laufen an der Unfallstelle bereits die Aufräumarbeiten. Ein Abschleppwagen nimmt mitten in der Nacht das Unfallfahrzeug auf, die Polizei sichert die Spuren und die Kollegen der Feuerwehr verstauen ihre Geräte. Es wird nicht viel gesprochen, jeder denkt über den noch so jungen Zeitungsausfahrer nach und hofft, dass die eigene Arbeit hinlänglich war, um dessen Leben zu retten. „Vermutlich Sekundenschlaf…“ bleibt den Kameraden als ein polizeiliches Resümee in den Ohren.

04:50 Uhr: leise zischt etwas Luft aus der Bremsanlage als das letzte Fahrzeug rückwärts in die Halle des Feuerwehrhauses fährt. Man trifft sich noch auf ein Wasser oder eine Cola im Aufenthaltsraum. Auch der Kaffee-Vorschlag wird dankend angenommen, denn an Schlaf ist ohnehin nicht mehr zu denken.

05:40 Uhr: zu Hause – der Wecker ist schon vor dem eigentlichen Klingeln abgestellt. Nach einer heißen Dusche decken die meisten Kameraden schon den Frühstückstisch, um sich noch vor der Arbeit zu stärken und einen Blick in die Zeitung zu werfen, die aber gar nicht im Briefkasten ist… 

 

Erfreulicherweise sind schwere Einsätze, wie der oben bespielhaft beschriebene Einsatz nicht an der Tagesordnung. Gleichwohl ist dieser Einsatz ein Beispiel für nur einen Aufgabenbereich der Feuerwehr, der von vielen weiteren flankiert wird.
Wenn man sich die Frage nach den Aufgaben der Feuerwehr stellt, fallen jedem sofort die Schlagworte „Retten – Löschen – Bergen – Schützen“ ein und man erinnert sich an das Feuerwehrlogo, das diese Aufgaben symbolisiert.

Retten – wie oben beschrieben kommt die Feuerwehr zum Verkehrsunfall, um Menschenleben zu retten. Die Feuerwehr kommt aber auch, wenn Arbeitsunfälle, Freizeitunfälle oder sonstige „lebensbedrohliche Zwangslagen“ Interventionen erfordern, um zu helfen und zu retten.

Löschen – jedes kleine Kind weiß, dass die Feuerwehr kommt und hilft, wenn es brennt, sei es der Wald, Gebäude, Fahrzeuge oder Müll. Vom Bretterverschlag bis zur hochkomplexen Industrieanlage, auf die man nicht einfach Wasser spritzen kann, die Feuerwehr kommt und hilft wenn es brennt.

Bergen und Schützen – zwei Begriffe, die häufig eng zusammen gehören und beispielhaft mit dem Schutz der Umwelt, unserem Lebensraum, ein breites Tätigkeitsfeld anreißen, das nicht nur umfangreiche Technik sondern tiefgreifendes Wissen erfordert. Die sogenannte ABC (A-atomar, B-biologisch und C-chemisch)-Gefahrenabwehr gehört ebenso in den Aufgabenbereich der Feuerwehr, wie komplexe technische Hilfeleistungen bei Unglücksfällen oder öffentlichen Notständen, die bei Gewittern, Explosionen oder anderen Naturereignissen auftreten können. Vom Auspumpen eines Kellers nach Starkregenfällen über das Freischneiden von wichtigen Verkehrsachsen nach Stürmen bis zum verunfallten Gefahrgut-LKW auf der Bundestraße – die Feuerwehr kommt und leistet Hilfe.

Das Besondere an der Feuerwehr Netphen ist, dass sie eine rein freiwillig organisierte Feuerwehr ist, d. h. die Feuerwehrfrauen und -männer, die Sie vor Ort im Einsatz sehen, gehen eigentlich einem anderen Beruf nach, vielleicht sind Sie ja Ihre Arbeitskollegin oder Ihr Arbeitskollege. Sie verbringen ihre Freizeit damit, anderen zu helfen oder sich auf die Hilfe für andere vorzubereiten, in dem sie Lehrgänge besuchen, sich fortbilden, Übungen machen oder sich körperlich fit halten. Sicherlich wird jetzt der ein oder andere Leser dieser Zeilen denken: „Trainieren, Lehrgänge machen, körperlich fit sein…ich nehme die Feuerwehr mehr als „Feierwehr“ wahr, die zusammensitzen, Bier trinken und Feste veranstalten.“

Natürlich gibt es auch Feierlichkeiten bei der Feuerwehr oder geselliges Beisammensein nach einer Übung oder einem Einsatz. Hierdurch soll und wird der Teamgedanke und auch die Motivation gepflegt, rund um die Uhr für Einsätze zur Verfügung zu stehen, konzentriert an Aus- und Fortbildungen teilzunehmen oder sich zum gemeinsamen Sport zu verabreden. Würden wir jedes Mal, wenn wir nachts ausrücken das Presslufthorn einschalten, hätten Sie vielleicht auch ein anderes Bild von Ihrer Feuerwehr.

Dies alles tun wir, um schnell, kompetent und sicher 365 Tage im Jahr für Sie da zu sein und zu kommen, wenn Sie Hilfe benötigen.  Wenn Sie weitere Fragen zu unseren Aufgaben haben oder der Beitrag Sie neugierig gemacht hat, sind Sie jederzeit eingeladen, sich an uns zu wenden oder auch spontan zu uns zu kommen. Sie werden auf eine schlagkräftige und „bunt zusammengewürfelte Truppe“ treffen, die sich über neue Teammitglieder aber auch über Ihr Interesse an unserer Freizeitbeschäftigung freut.

Also, auf bald!

Ihr Löschzug Netphen
Für Netphen – seien Sie sicher!